Eheringe und Verlobung

Was kostet ein Verlobungsring? Veröffentlichte Preise Schweizer Ateliers und die Monatslohn-Regel im Faktencheck

Was ein Verlobungsring kostet: veröffentlichte Preise von Schweizer Goldschmieden, woher die Monatslohn-Faustregel stammt und wie Sie Offerten vergleichen.

«Was kostet ein Verlobungsring?» ist eine der häufigsten Fragen vor einem Antrag – und eine, auf die im Netz vor allem Faustregeln und Durchschnittswerte ohne Quelle kursieren. Eine methodisch belastbare Preiserhebung für die Schweiz haben wir nicht gefunden. Dafür veröffentlichen mehrere Ateliers aus diesem Verzeichnis ihre Preise. Dieser Ratgeber zeigt, was diese Preise aussagen, woraus sich der Preis zusammensetzt und woher die bekannte Monatslohn-Regel stammt.

Veröffentlichte Preise Schweizer Ateliers

Die folgenden Angaben stammen von den Websites der Ateliers, Stand Oktober 2026. Sie sind Beispiele, keine Durchschnittswerte, und Preise ändern sich mit den Kursen für Edelmetall und Diamanten.

Atelier Ring Preis
Daniel de Guy, Lausanne Solitäre, Einstiegspreis laut eigener Angabe ab 950 Franken
Stähli Goldschmied, Bern Solitär «Kordel» in Weissgold mit einem Brillanten 1250 Franken
Schmucke Stücke Jeisy, Zürich Solitaire in Weissgold, Brillant 0,27 Karat 1550 Franken
Stähli Goldschmied, Bern Solitär in Weissgold, Brillant 0,22 Karat 1850 Franken
Stähli Goldschmied, Bern Solitär in Weissgold, Brillant 0,32 Karat 3500 Franken
Stähli Goldschmied, Bern Solitär in Weissgold, Brillant 0,4 Karat 4500 Franken
Stähli Goldschmied, Bern Solitär in Weissgold, Brillant 0,5 Karat 4350 Franken
Stähli Goldschmied, Bern Solitär in Roségold, Brillant 0,80 Karat 5800 Franken
Der Goldschmied Mathias Leo Jenny Solitär in Rotgold, Diamant 1,05 Karat mit GIA-Bericht 10 555 Franken
Stähli Goldschmied, Bern Solitär in Roségold, Brillant 1,41 Karat 12 500 Franken

Stähli gibt die Preise ausdrücklich inklusive Mehrwertsteuer an. Daniel de Guy zeigt auf seiner Seite «Kreationen» Solitärringe zwischen 950 und 26 500 Franken, darunter auch Ringe mit Saphir statt Diamant.

Drei Dinge fallen auf. Erstens liegen einfache Solitärringe mit kleinem Diamanten bei mehreren Ateliers im Bereich von rund 1000 bis 2000 Franken. Zweitens steigt der Preis mit dem Gewicht des Steins deutlich: Bei Stähli kostet der Ring mit 1,41 Karat fast siebenmal so viel wie der mit 0,22 Karat. Drittens ist ein schwererer Stein nicht automatisch teurer – der Ring mit 0,5 Karat ist günstiger als jener mit 0,4 Karat. Das zeigt, dass neben dem Gewicht auch Farbe, Reinheit und Schliff zählen. Die Übersichtsseite nennt diese Angaben nicht; fragen Sie danach.

Woraus sich der Preis zusammensetzt

Bei einem Verlobungsring mit Diamant macht in der Regel der Stein den grössten Teil des Preises aus. Seine Qualität beschreiben die 4C: Gewicht (Carat), Farbe (Colour), Reinheit (Clarity) und Schliff (Cut). Ein Karat entspricht als Gewichtseinheit 0,2 Gramm. Für grössere Diamanten belegt ein Prüfbericht eines gemmologischen Labors die Angaben – im Beispiel oben etwa ein Bericht des GIA.

Dazu kommen:

  • Metall: Gold in 585 oder 750 Tausendsteln, Platin oder Palladium. Bei einem schmalen Solitärring ist der Metallanteil am Preis meist kleiner als jener des Steins.
  • Fassung und Arbeit: Eine Krappenfassung, eine Zarge oder zusätzliche kleine Steine an der Schiene verändern den Aufwand. Bei einer Massanfertigung kommen Entwurf und Anfertigung dazu.
  • Mehrwertsteuer: Der Normalsatz beträgt seit dem 1. Januar 2024 8,1 Prozent. Achten Sie darauf, ob eine Offerte die Mehrwertsteuer enthält.

Natürlich oder laborgezüchtet

Viele Ateliers bieten neben natürlichen auch laborgezüchtete Diamanten an. Nach der Bezeichnungsrichtlinie der Diamantbranche, gestützt auf die Norm ISO 18323, müssen sie als «synthetisch», «laborgezüchtet» oder «im Labor hergestellt» bezeichnet werden; «Diamant» allein meint immer einen natürlichen Stein. Achten Sie darauf, dass Offerte und Rechnung die Herkunft klar nennen, und vergleichen Sie Preise nur bei Steinen mit denselben 4C.

Andere Steine

Ein Verlobungsring muss keinen Diamanten haben. Saphir und Rubin sind hart und eignen sich für den Alltag, Smaragd, Opal oder Perlen brauchen eine schützende Fassung. Bei Daniel de Guy kosten Solitärringe mit ovalem Saphir laut Website 5150 und 11 750 Franken – auch Farbsteine sind also nicht automatisch günstiger.

Die Monatslohn-Regel im Faktencheck

Wer nach dem richtigen Budget sucht, stösst schnell auf die Regel, ein Verlobungsring solle einen, zwei oder drei Monatslöhne kosten. Diese Regel ist keine alte Tradition, sondern Werbung. Der englischsprachige Wikipedia-Artikel zum Verlobungsring beschreibt, dass der Diamantkonzern De Beers 1938 eine Marketingkampagne begann, die Verlobungsringe nachhaltig prägte. In den 1930er-Jahren legte er nahe, ein Mann solle ein Monatseinkommen für den Ring ausgeben, in den 1980er-Jahren zwei. Auch der Brauch, zum Antrag einen Diamantring zu überreichen, geht laut dem deutschsprachigen Wikipedia-Artikel auf diese Kampagne zurück.

Für Ihre Entscheidung heisst das: Es gibt keinen «richtigen» Betrag. Sinnvoller als eine Faustregel ist die Frage, welcher Stein, welche Form und welches Metall zur beschenkten Person passen – und welches Budget Sie sich ohne Druck leisten möchten.

Kosten sparen, ohne an Qualität zu verlieren

  • Stein und Fassung getrennt offerieren lassen: So können Sie mehrere Steine vergleichen, ohne jedes Mal den ganzen Ring neu zu rechnen.
  • Eigenes Material einbringen: Manche Ateliers verarbeiten Steine oder Gold aus Erbstücken. Mehr dazu auf der Seite zur Umarbeitung von Erbstücken.
  • Anpassung nach dem Antrag klären: Viele Ateliers passen die Grösse nach dem Antrag an; manche kostenlos, wenn der Ring bei ihnen gekauft wurde. Fragen Sie vorher, was gilt.

Checkliste für die Offerte

  1. Stein: Art, Gewicht in Karat, Farbe, Reinheit, Schliff und der Hinweis natürlich oder laborgezüchtet
  2. Prüfbericht: ob vorhanden und von welchem Labor
  3. Metall mit Feingehalt, etwa «Weissgold 750» oder «Platin 950»
  4. Fassung: Krappen, Zarge oder zusätzliche Steine an der Schiene
  5. Grössenanpassung nach dem Antrag: Preis und Frist
  6. Preis inklusive oder exklusive Mehrwertsteuer

Ateliers für Verlobungsringe finden Sie auf der Seite Verlobungsringe und Antragsringe und im Verzeichnis der Goldschmiede. Wie man Verlobungsring und Ehering später kombiniert, erklärt der Ratgeber Ehering und Verlobungsring: An welcher Hand?; was Eheringe kosten, zeigt der Ratgeber Was kosten Eheringe in der Schweiz?.

Häufige Fragen

Wie viel kostet ein Verlobungsring in der Schweiz?
Eine repräsentative Statistik gibt es nicht. Veröffentlichte Preise von Schweizer Ateliers reichen bei Solitärringen mit Diamant von 950 Franken bis über 20 000 Franken. Entscheidend sind Grösse und Qualität des Steins, das Metall und der Aufwand für Fassung und Ring.
Wie viel sollte man für einen Verlobungsring ausgeben?
So viel, wie zum eigenen Budget passt. Die bekannte Regel von einem oder mehreren Monatslöhnen geht auf Werbekampagnen des Diamantkonzerns De Beers zurück: In den 1930er-Jahren empfahl er einen Monatslohn, in den 1980er-Jahren zwei. Eine Verpflichtung ergibt sich daraus nicht.
Warum ist ein grösserer Diamant nicht immer teurer?
Weil neben dem Gewicht auch Farbe, Reinheit und Schliff den Preis bestimmen. Ein leichterer Stein in besserer Qualität kann mehr kosten als ein schwererer in tieferer Qualität. Lassen Sie sich deshalb alle vier Angaben nennen.
Ist ein Verlobungsring beim Goldschmied teurer als im Laden?
Nicht zwingend. Viele Ateliers bieten neben Massanfertigungen auch fertige Solitärringe mit festen Preisen an, und bei einer Massanfertigung können Sie Stein und Fassung getrennt wählen. Vergleichen Sie Offerten mit denselben Angaben zum Stein.

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